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Pressemitteilung 2006

Pressemitteilung zur 77. Jahresversammlung der
Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie,
24. – 28. Mai 2006 in Mannheim
Neue Therapieverfahren in Mannheim vorgestellt
Kehlkopfkrebs: Bei 80 Prozent der Patienten kann das Stimmorgan inzwischen gerettet werden
Schnarchen: Radiowellen als neue Behandlungsmethode

Mannheim, 25.5.2006 –Ärzte können heute bei rund 80 Prozent aller an Kehlkopfkrebs erkrankten Patienten dank neuer Therapieverfahren wie der kombinierten Radiochemotherapie und kleinerer chirurgischer Eingriffe mit Lasertechnik den Kehlkopf retten. Vorausgesetzt, der Patient leidet nicht an Herz-, Leber- und Nierenbeschwerden. Dies sagte Professor Dr. med. Heinrich Iro von der HNO-Klinik des Universitätsklinikums Erlangen gestern [24.05.2006] während der 77. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie im m:con Congress Center Rosengarten Mannheim. Zu dem wissenschaftlichen Kongress, der vom 24. bis 28. Mai stattfindet, werden 2.500 Fachärzte aus aller Welt erwartet. Der HNO-Kongress ist die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis. Denn dort werden die neuesten Ergebnisse der Forschung und Wissenschaft einer breiten Fachöffentlichkeit vorgestellt.

Der HNO-Kongress steht unter dem Motto „Morgen ist jetzt – Die Gegenwart neuer Therapiekonzepte“. Zugleich findet der 6. HNO-Pflegetag und die 5. Jahrestagung der Deutschen Akademie für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie statt, ebenso das 1st Joint Meeting der German Society of Oto-Rhino-Laryngology, Head and Neck Surgery und der American Academy of Otolaryngology, Head and Neck Surgery, das erstmals gemeinsam mit der amerikanischen wissenschaftlichen HNO-Gesellschaft veranstaltet wird. Tagungspräsident ist Prof. Dr. Karl Hörmann, Direktor der Universitäts-HNO-Klinik Mannheim: „Hier in Mannheim werden die neuesten Ergebnisse aus der weltweiten HNO-Forschung präsentiert.“

Jährlich erkranken mindestens 3.000 Menschen in Deutschland an Kehlkopfkrebs. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. „Etwa vier bis fünf Prozent aller Krebserkrankungen in Deutschland sind bösartige Tumore im Kopf- und Halsbereich, bis zu 40 Prozent davon Kehlkopfkarzinome“, erklärte Professor Dr. med. Heinrich Iro. Das Verhältnis von Männern und Frauen in der Zahl der an Kehlkopfkrebs Erkrankten hat sich in den vergangenen 50 Jahren von 1:17 auf aktuell etwa 1:7 verändert. Das heißt auf sieben erkrankte Männer kommt heute eine Frau. Als Gründe für das Aufholen der Frauen nannte Professor Iro die „Folgen der Emanzipation“ – denn die Hauptrisikofaktoren sind neben einer genetischen Disposition vor allem Nikotin und Alkohol. 90 bis 95 Prozent aller Kehlkopftumore werden durch Rauchen ausgelöst.

Bei der Frage, ob der Kehlkopf nach einer Tumorerkrankung erhalten werden kann, spielt die Früherkennung eine wichtige Rolle. Deshalb rät Professor Iro dazu, eine länger als 14 Tage anhaltende Heiserkeit dringend bei einem HNO-Arzt untersuchen zu lassen. Denn sie ist oft eine erstes Symptom für Kehlkopfkrebs. Professor Iro: „Je kleiner der Tumor, desto größer ist die Chance den Kehlkopf zu erhalten.“ Ein Leben ist zwar auch ohne Kehlkopf möglich, aber die Lebensqualität sei doch arg eingeschränkt, weil sich der Betroffene nicht mehr artikulieren kann. Deshalb habe die Forschung große Anstrengungen unternommen, eine Kehlkopf erhaltende Therapie auch für fortgeschrittene Tumore zu finden. Mit einem kombinierten radio- und chemotherapeutischen Verfahren können heute 40 Prozent aller Patienten, die an Tumoren im fortgeschrittenen Stadium erkrankt seien, so behandelt werden, dass der Kehlkopf erhalten bleibt. Dies gelte mittlerweile auch für Patienten, die über 60 Jahre alt sind.

Prof. Dr. Karl Hörmann, Direktor der Universitäts-HNO-Klinik Mannheim, stellt auf dem HNO-Kongress neue Operationsmethoden für Schnarcher vor. 40 Millionen Deutsche schnarchen –überwiegend handelt es sich dabei um Männer. Professor Hörmann: „Je älter ein Mensch ist, je mehr er wiegt und wenn er zudem Alkohol trinkt, desto mehr schnarcht er.“ Alkohol lasse das Gewebe in Nase, Schlund, Zungengrund und Mundhöhle ebenso erschlaffen wie der biologische Prozess der Alterung. Das überschüssige Gewebe im Rachen- und Gaumenraum ist für die lauten Atemgeräusche im Schlaf verantwortlich.

Eine neuartige Methode, um das Problem zu beheben, ist die Radiofrequenztherapie. Bei etwa 75 Prozent der so behandelten Patienten führt diese Behandlung laut Professor Hörmann zum Erfolg. Das schlaffe Gewebe wird mittels Elektrode auf 85 Grad erwärmt, dadurch „gerinnen“ die darin enthaltenen Proteine. Durch den Abbau dieser Zerfallsprodukte versteift sich das Gewebe an den behandelten Stellen. Der Atmungskanal wird wieder straff. Die Operation verläuft unblutig, sie ist mit relativ wenig Schmerzen verbunden und die Entzündungsgefahr ist gering.
Da es sich beim reinen Schnarchen um keine lebensbedrohliche und damit behandlungsbedürftige Krankheit handelt, übernehmen die Krankenkassen die Kosten für eine solche Operation nicht. Die Nachfrage sei dennoch sehr groß, bekräftigte Professor Hörmann: „Gerade bei Paaren ist der Leidensdruck durch Schnarchen oft sehr groß.“ Bei der Schlafapnoe, die sich durch häufig wiederkehrende Atemstillstände im Schlaf auszeichnet, ist die Sachlage anders. Professor Hörmann: „Schlafapnoe ist eine lebensbedrohliche Erkrankung. Da sollte der Patient sich so schnell wie möglich Hilfe holen.“ Und sich daraus ergebende Behandlungen werden natürlich von der Krankenkasse bezahlt.

Professor Dr. med Frank Riedel von der Universitäts-HNO-Klinik Mannheim stellte die regenerative Medizin als wichtiges aktuelles Thema des HNO-Kongresse vor. Dieser Forschungsbereich wird auf dem wissenschaftlichen Kongress in Mannheim sowohl zeitlich als auch thematisch stark repräsentiert, auch wenn er zurzeit klinisch noch nicht viel angewandt wird. Professor Riedel: „Die Forschung zur Regenerativen Medizin steckt noch in den Kinderschuhen.“ Damit verbundene Themenbereiche wie Gentherapie und Stammzellenforschung seien beim Laien mit großen Ängsten behaftet, dennoch handele es sich dabei um Verfahren, die in Zukunft verstärkt eingesetzt würden. Mit ihrer Hilfe stünden patientenbasierte, individuelle Alternativen zu heutzutage weitestgehend standardisierten und schematisierten Behandlungsmethoden bei Alterung, Krankheit und Verletzung bereit. Die Rekonstruktion von bei Unfällen verlorenen Organen gehört unter anderem zu den Möglichkeiten, die sich Mediziner von der Stammzellentherapie versprechen.

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