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Pressemitteilung 2007

Pressemitteilung vor der 78. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft
für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie,
16. – 20. Mai 2007 in München

HNO-Ärzte diskutieren auf Kongress über neue Methoden der Rekonstruktion von Nase, Ohr und Gesicht
Kunststoff statt Knorpel: Ohren nachbilden, ohne den Brustkorb zu verunstalten

Bei der Ohr-Rekonstruktion, die durch eine Fehlbildung des Organs von Geburt an oder nach Unfällen erforderlich werden kann, greifen Chirurgen immer häufiger zu Kunststoff, mit dem ein später unsichtbares Grundgerüst nachgebildet wird: Darüber hat der Mediziner Professor Dr. Alexander Berghaus jetzt in München bei der 78. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie informiert, die noch bis Sonntag [20. Mai] dauert und unter dem Motto „Ästhetik trifft Funktion“ steht.

Bei jeder 2000. Geburt kommt in Deutschland ein Kind mit einer Ohrfehlbildung zur Welt. Zumeist tritt eine Fehlbildung nur auf einer Seite auf, bei Jungen kommt sie häufiger vor. Beim Standardverfahren zur Behebung des Defekts wird die Grundform mittels Knorpel aus den Rippen des Brustkorbs nachgeformt, dann mit eigener Haut überzogen.

Professor Dr. Alexander Berghaus, Tagungspräsident der 78.
Jahresversammlung, hält die Rekonstruktion des Gerüstes mithilfe von Kunststoff in vielen Situationen allerdings für die bessere Methode. Der Direktor der Universitäts-HNO-Klinik München-Großhadern hat auf diesem Gebiet maßgeblich geforscht. Die Entnahme von Knorpel kann eine Deformierung an der Entnahmestelle hinterlassen, gab er zu bedenken – je größer die benötigte Menge, desto gravierender: „Wenn die Behebung eines Defektes an einer Stelle einen Defekt an anderer Stelle verursacht, ist das doch sehr unbefriedigend.“ Zudem ist der Operationsaufwand bei der Methode unter Einsatz von körpereigenem Knorpel deutlich höher, die Belastung gerade für Kinder erheblich. Deshalb biete sich die Verwendung von Spezialkunststoffen als Alternative an, die das Gerüst des in Teilen verloren gegangenen oder von Geburt an deformierten Organs nachbilden, um anschließend mit körpereigener Haut des Patienten überzogen zu werden.

Als künstlicher Ersatz für den Knorpel hat sich Polyethylen bewährt.
„Poröses Polyethylen ist gut zu verarbeiten und gut verträglich, zudem ist eine individuell optimale Formgebung und Formstabilität möglich.“ Die Operation lässt sich in einem Schritt durchführen, innerhalb von sechs bis acht Tagen kann der Patient nach dem Eingriff in der Regel aus dem stationären Bereich entlassen werden. Das Material dient auch zur Rekonstruktion von Ohrmuscheldefekten, Nasenverformungen oder Mittelgesichtsrekonstruktionen.

Professor Dr. Alexander Berghaus stellte zudem schonende Operationsmethoden und besser verträgliches Nahtmaterial vor, das die operative Korrektur abstehender Ohren heute so sicher wie nie zuvor macht. So dicht unter der Haut am Knorpel, wie die später unsichtbaren Fäden vernäht werden, ist es notwendig, gut verträgliches Material zu verwenden, stellte Professor Dr.
Alexander Berghaus klar. „Sehr feine Fäden aus Gore-Tex verleihen dauerhaft große Stabilität“, betonte er. Der Knorpel zeichne sich durch seine elastische Rückstellkraft aus – deshalb ist besonders haltbares, stabiles Material gefragt.

Entzündungen sind mit dem neuen Nahtmaterial wie Gore-Tex zudem äußerst selten. „Gore-Tex kann ein Leben lang im Gewebe verbleiben, ohne Störungen auszulösen.“ Früher sind eher Nylon oder Seide bei den Nähten zum Einsatz gekommen, die im Gewebe häufiger Reizungen auslösten, so Professor Berghaus.
Früher seien zudem häufig zu aggressive Methoden eingesetzt worden, die den Knorpel zu sehr schwächten. Die Folge konnten bleibende Knick- oder Kantenbildungen sein – eine dauerhafte Entstellung also. Risiken wie dieses können bei Ohrenoperationen nun weitgehend ausgeschlossen werden: „In unter einem Prozent der Fälle wird der Faden, mit dem die Fehlstellung behoben worden ist, abgestoßen“ – dies gilt als häufigste Komplikation. Von abstehenden Ohren sprechen die Mediziner in der Regel, wenn der Abstand von der Ohrkante zum Schädel 20 Millimeter oder mehr beträgt.

Im Idealfall wird die Fehlstellung der Ohren im Vorschulalter korrigiert – der Eingriff sei aber auch bei Erwachsenen möglich. Die meisten Kinder mit abstehenden Ohren entwickelten jedoch frühzeitig ein Störungsbewusstsein, das eine operative Korrektur nahe lege. „Wenn Kinder gehänselt werden, ziehen sie sich häufig zurück – das gilt es zu verhindern.“

Umso größer ist oft die Erleichterung: „Die Kinder, bei denen die Fehlstellung behoben worden ist, in der Regel sechs oder sieben Jahre alt, sagen meist von sich aus, wenn sie das Ergebnis sehen: Jetzt ist es wirklich besser“, so Professor Dr. Berghaus.

Die 78. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V. vom 16. bis 20. Mai 2007 im Gasteig Kulturzentrum München steht unter dem Motto „Ästhetik trifft Funktion“. Zugleich findet der 7. HNO-Pflegetag und die 6. Jahrestagung der Deutschen Akademie für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V. statt, ebenso (vom 17. bis 19. Mai) das International Forum „Plastic and Reconstructive Surgery of the Head and the Neck“.

Die wissenschaftliche Leitung der Jahresversammlung hat Prof. Dr. Alexander Berghaus, Direktor der Universitäts-HNO-Klinik München-Großhadern.
Die rund 2.000 Teilnehmer der Jahresversammlung aus dem In- und Ausland erwarten 675 Fachbeiträge. Wichtige Themen sind die funktionelle und ästhetische Chirurgie der Nase und des Ohrs, die Traumatologie des Gesichtsschädels mit den aktuellen Entwicklungen bei der Nahttechnik sowie hörverbessernde Operationen und die Behandlung von Tumoren.

Weitere Informationen erhalten Sie bei tower media und im Internet unter www.hno.org.

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