Sitzungsprotokoll

zur Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Olfaktologie/Gustologie

16. Mai 2000, 15.30-16.00 Uhr

in Berlin




Tagungsort: Berlin (ICC, Saal 14)
Datum: 16.5.00, 15.30-16.00 Uhr
Teilnehmerzahl: 40
Vorsitzender: Prof. Dr. med. K.-B. Hüttenbrink
Protokoll: PD Dr. Dr. med. T. Hummel (thummel@rcs.urz.tu-dresden.de)



Bericht der Arbeitsgruppe "Therapiestudien"


1. Offene Studie zur Wirksamkeit verschiedener Medikamente bei Riechstörungen
(A. Welge-Lüssen, Basel / Erlangen)

Frau Dr. Welge-Lüssen berichtete zum Stand der Planung der "Offenen Riechtherapiestudie" zur Erfassung der Wirksamkeit verschiedener Therapiestrategien bei Riechstörungen. Details zur geplanten Untersuchung sind im Anhang dargestellt. Interesse zur Teilnahme wurde von mehreren Kliniken angemeldet, u.a. Berlin, Dessau, Dresden, Erlangen, Gießen, Greifswald, Hannover, Jena, Köln, Mainz, München oder Wien. Wie der Name der Untersuchung schon aussagt, kann sich jede interessierte Klinik an der Untersuchung beteiligen.

Der "zentrale Ethikantrag" zu dieser multizentrischen Untersuchung soll in Erlangen gestellt werden. Eine Vorstellung der Studie bei den regionalen Berufsverbänden, Kongressen oder auf der Homepage der HNO Gesellschaft soll von Frau Dr. Welge-Lüssen bzw. Dr. Damm (Köln) vorgenommen werden. Eine finanzielle Unterstützung durch Medikamentenhersteller wurde als wünschenswert betrachtet - entsprechende Gespräche wurden in der Zwischenzeit bereits von Frau Dr. Fleischer (Dresden) mit der Firma Essex initiiert.


2. Placebo-kontrollierte, doppeltblinde, randomisierte Untersuchung zur Wirksamkeit von Caroverin bei postviraler Hyposmie
(T. Hummel, Dresden)

Gewissermaßen stellvertretend für die Kollegen aus Wien (Dr. Temmel, Dr. Quint) berichtete Herr Dr. Hummel über den Stand der Dinge zur Untersuchung des Caroverins. Bei der Dezembertagung 1999 in Erlangen war berichtet worden, daß die Anwendung von Caroverin in einer unverblindeten Untersuchung eine signifikante Verbesserung des Riechvermögens bei Patienten mit Riechstörungen bewirkt hätte.

Aufbauend auf diesen Ergebnissen soll nun eine multizentrische, Placebo-kontrollierte, doppeltblinde, randomisierte Untersuchung zur Wirksamkeit von Caroverin bei postviraler Hyposmie durchgeführt werden. Interesse zur Teilnahme an dieser Untersuchung wurde früher bereits u.a. von Kliniken in Dresden, Erlangen, Jena und Mainz angekündigt. Herr Dr. Hummel berichtete allerdings, daß die Planung der Untersuchung noch nicht abgeschlossen sei, daß eine entsprechende Untersuchung wahrscheinlich im Herbst 2000 beginnen würde.


Bericht der Arbeitsgruppe "Standardisierung"

1. Stand der Entwicklung eines neuen Schmecktests
(G. Ahne, Erlangen)

Frau Ahne berichtete über den Stand der Entwicklung eines neuartigen Schmecktests, der auf dem Aufbringen von Schmeckstoff-imprägnierten Filterstreifen auf die Zunge beruht. Mit diesen "Schmeckstreifen" oder "taste strips" ist die lateralisierte Testung im vorderen Zungendrittel möglich. Da verschiedene Konzentrationen verwendet werden, liefert das Testverfahren einen schwellenähnlichen Wert.

Frau Ahne berichtete, daß anfängliche Probleme hinsichtlich der Konzentration der Schmeckstoffe und der Herstellung der Schmeckstreifen gelöst seien und das Verfahren bereits intensiv in Erlangen und Dresden (Dr. Hummel), aber auch in Skövede, Schweden (Prof. Bende), eingesetzt würde, u.a. um Normwerte zu erarbeiten.


2. Stand der Entwicklung eines oralen Riechtests
(G. Ahne, Erlangen)

Ein oraler Riechtest war zum ersten Mal bei der Dezembertagung 1999 von Prof. Kobal (Erlangen) vorgestellt worden. Frau Ahne berichte - in Abwesenheit von Prof. Kobal - kurz zum Stand dieser Entwicklung und deutete an, daß erste Normwerte bereits bei der diesjährigen Dezembertagung vorgestellt werden könnten.


3. Screening der Riechfunktion basierend auf einem 12 Item-Identifikationstest
(T. Hummel, Dresden)

Herr Dr. Hummel stellte - wie bereits auf der vergangenen Dezembertagung in Erlangen - eine auf 12 Einzeltests verkürzte Version des aus 16 items bestehenden Identifikationstest im "Sniffin` Sticks" Set vor, mit der ein Screening der Riechfunktion innerhalb von etwa 4 Minuten möglich sein sollte. Die Erstellung altersabhängiger Normwerte erfolgte anhand einer Gruppe von 1012 gesunden Probanden. An mehr als 100 Probanden und Patienten wurde die Reproduzierbarkeit des Verfahrens überprüft und an einer Gruppe von mehr als 250 Probanden und Patienten wurde untersucht, wieweit das Screening zwischen Anosmie, Hyposmie und Normosmie unterscheiden kann.

Die Ergebnisse zeigten eine Abhängigkeit vom Lebensalter (F[8,994]=15.58, p<0.001), die Test-Retest-Reliabilität lag bei r113=.78 und ist damit vergleichbar zu anderen Riechtests, die ähnlich viele Items benutzen. Das Screening konnte statistisch zwischen Anosmie, Hyposmie und Normosmie unterscheiden (F[2,254]=199.32, p<0.001), d.h., keiner der 112 Anosmiker erreichte einen Wert der größer war als 8 korrekte Identifizierenden. Die 90. Perzentile lag bei einem Wert von 6, für Hyposmiker lag der entsprechende Wert bei 10. Das heißt, daß Werte von 11 und 12 als Hinweis auf eine Normosmie angesehen werden können, wohingegen Werte von weniger als 9 auf das mögliche Vorliegen einer Anosmie hindeuten können und einer gründlicheren Untersuchung bedürfen. Die Ergebnisse dieser Untersuchung würden demnächst zur Veröffentlichung eingereicht.

In der anschließenden, intensiven Diskussion wies u.a. Prof. Gudziol (Jena) darauf hin, daß der Screening-Test genauer Anwendungshinweise bedürfe, um in der Anwendung in der Praxis nicht mißverstanden zu werden. Die wesentlichen Hinweise sollten umfassen: 1) Anwendung nur bei Personen mit subjektiv normalem Riechvermögen. 2) Durchführung weiterer Riechtests ab einem Score von 10 und weniger. Frau Dr. Hauswald (Dresden) gab zu bedenken, daß das Screening keinen Hinweis auf die Riechschwelle enthalten würde, und daß ein solcher Wert überaus wünschenswert wäre. Auch Herr Delank (Münster) äußerte Bedenken.

Über die Notwendigkeit die „alte" Stufe I zu ersetzen, bestand allgemeine Einigkeit. Der 12-Item Test ist von der Handhabung her vertraut und umfasst nur 4 Stifte mehr als die Vorgängerversion. Die Revision der Empfehlung des „Screenings" wurde zur Abstimmung vorgeschlagen.. In der Abstimmung darüber, ob der auf 12 Items verkürzte Identifikationstest durch die Arbeitsgruppe Olfaktologie / Gustologie der Deutschen Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Hals Chirurgie, als Screeningverfahren empfohlen werden sollte, gab es 2 "Nein"-Stimmen gegen das Verfahren, 5 Enthaltungen und 33 "Ja"-Stimmen. Der Vorschlag wurde damit mehrheitlich angenommen.


Sonstiges,
z.B. Ort der Dezembertagung der AG Olfaktologie / Gustologie



Als letzten Punkt der Tagesordnung wurde über den Ort der kommenden Dezembertagung der AG Olfaktologie / Gustologie beraten. Nach lebhafter Diskussion und Abstimmung entschieden sich die Teilnehmer für Köln als Veranstaltungsort - Herr Prof. Eckel hatte freundlicherweise angeboten, die Organisation der Tagung zusammen mit Herrn Dr. Damm zu übernehmen, die am ersten Dezemberwochenende stattfinden soll (Freitag, 1.12. und Samstag, 2.12.2000). Die Tagung soll - wie bisher - Freitag nachmittag beginnen und gegen Samstag nachmittag enden.

Dresden, den 3. Juli 2000
Protokollführer: PD Dr. Dr. med. Thomas Hummel



Anhang

Anhang 1:
Details zur "Offenen Riechtherapiestudie" (*.pdf)

Anhang 2:
Datenerfassungsblatt zur "Offenen Riechtherapiestudie" (*.pdf)

Anhang 3:
Anamnesebogen (*.pdf)
Riechtagebuch (*.pdf)


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