Sitzungsprotokoll der Arbeitsgemeinschaft Olfaktologie und Gustologie

vom 13.5.99 in Aachen,
anläßlich der Tagung der Deutschen Gesellschaft für HNO Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie



Tagungsort: Aachen
Datum: 13.5.99, Beginn: 18.00 Uhr, Ende: 19.00 Uhr
Teilnehmerzahl: 40
Vorsitzender: Prof. Dr. med. K.-B. Hüttenbrink
Protokoll: Dr. med. Dr. med. habil. Thomas Hummel (thummel@rcs.urz.tu-dresden.de)


Die Sitzung wurde von Herrn Prof. Hüttenbrink eröffnet.

Der in diesem Jahr zum ersten Mal stattfindende Kurs zu "Riech- und Schmeckstörungen" soll regelmäßig auf der Jahrestagung der Deutschen HNO Gesellschaft angeboten werden, wobei dieser Kurs von der AG Olfaktologie und Gustologie getragen werden sollte. Teilnehmer an dieser Fortbildungsveranstaltung erhalten ein Zertifikat, das vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft für HNO Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie mit getragen wird. Darüber hinaus berichtete Herr Hüttenbrink von einer Veröffentlichung der Autoren Kobal, Klimek, Wolfensberger, Gudziol, Temmel, Owen, Seeber, Pauli und Hummel mit dem Titel "Multi-center investigation of 1036 subjects using a standardized tool for the assessment of olfactory function, which combines testing of odor identification, odor discrimination, and olfactory thresholds", die beim European Archives of Otorhinolaryngology eingereicht worden ist. Mit dieser Veröffentlichung werden die Normwerte für die Anwendung der Riechstifte "Sniffin´ Sticks" auf den neuesten Stand gebracht.


Tagesordnungspunkt 1 - Bericht zum Thema "Standardisierung von Tests zur Erfassung von Riechstörungen"

Herr Prof. Kobal berichtete zu den Riechstiften "Sniffin´ Sticks". Hier hätte sich der SDI-Wert, erstmals vorgeschlagen von Prof. Wolfensberger, als Summe der Einzelergebnisse in der Schwellen-, Diskriminations- und Identifikationsaufgabe als praktikables und reliables Maß erwiesen, vor allem auch hinsichtlich der Unterscheidung zwischen Hyposmie und Anosmie.

Als ergänzender Test zum SDI-Wert drängt sich immer mehr der von Kobal entwickelte "Random-Test" auf, vor allem auch durch die klinischen Tests, denen dieses Verfahren gerade in Dresden, Basel und Erlangen unterzogen wird. Hier findet sich eine sehr gute Übereinstimmung zwischen den Ergebnissen des Random-Tests und dem SDI-Wert. Die Frage, welche Stelle der Random-Test einnehmen sollte, ob als Ersatz für das bisherige Screening-Verfahren oder als Ersatz der mittels des "single staircase Verfahrens" ermittelten Schwelle im Rahmen der Ermittlung des SDI-Wertes wurde diskutiert. In dieser Diskussion meinte Herr Kobal, der Random-Test solle den SDI-Wert nicht ersetzen, da der SDI-Wert die Unterscheidung zwischen Anosmie, Hyposmie und Normosmie sehr wahrscheinlich exakter zulassen würde als der Random-Test. Allerdings liegen für den Random-Test derzeit noch keine entsprechenden Untersuchungen vor. Herr Kobal machte den Vorschlag, in der näheren Zukunft den Random-Test als Zusatz zum SDI-Wert zu erheben. Herr Prof. Wolfensberger gab zu bedenken, daß der Random-Test nur eine relativ schlechte Korrelation zur Riechschwelle zeigen würde, wohingegen die Korrelation mit den anderen Untertests des SDI-Wertes besser sei. Herr Kobal erklärte diese Diskrepanzen damit, daß im Rahmen der Ermittlung des SDI-Wertes die Schwelle für Butanol gemessen würde, beim Random-Test aber für Phenylethylalkohol; es würde also das Verhalten anderer Rezeptoren in Abhängigkeit vom verwendeten Duftstoff gemessen.

Herr Hüttenbrink fragte, ob in einer neueren Version der Ermittlung des SDI-Wertes n-Butanol durch Phenylethylalkohol zu ersetzen sei. Herr Kobal gab zu verstehen, daß eine derartige Änderung ausgesprochen umfangreiche Untersuchungen erfordern würde, und schlug vor, den SDI-Wert zunächst als Standard zu belassen, mit dem augenblicklich bereits sehr viel Erfahrung besteht. Sollte sich in der Zukunft ein besser geeignetes Verfahren finden, so könne dies nach entsprechender Validierung den SDI-Wert ersetzen.

Außerdem sprach Herr Kobal an, ob der bisherige, auf 8 Proben basierende Screening-Test in seiner bisherigen Form beibehalten werden sollte, oder ob nicht einige der Duftstoffe durch besser geeignete Gerüche ersetzt werden sollten. Die heutige Form des Screenings beruht im wesentlichen auf zwischenzeitlich überholten Vorgaben (EBM). Hier sprach sich auch Herr PD Dr. Wolf dafür aus, den Screening-Test durch ein besser geeignetes Verfahren zu ersetzen. Diesem Vorschlag stimmten auch Herr Kobal und Herr Wolfensberger zu. Herr PD Dr. Klimek bemerkte hingegen, man dürfe an den Screening-Test nicht zu hohe Forderungen stellen - ein Screening müsse logischerweise aufgrund seines einfachen Aufbaus auch Schwächen aufweisen. Herr PD Dr. Gudziol machte den Vorschlag, den Identifikationstest aus dem SDI-Wert gewissermaßen auszukoppeln und zum Screening zu verwenden. Zusätzlich schlug Herr Gudziol vor, den Identifikationstest aus Gründen der Reliabilität auf 40 Items analog zum UPSIT (University of Pennsylvania Smell Identification Test) zu erweitern. Herr Kobal stellte die Überlegung an, möglicherweise eine "abgespeckte" Version des Random-Tests für das Screening zu verwenden.

Herr Kobal stellte einen neuen Test zur Prüfung des retronasalen Riechens vor, den sog. "Drops-Test". Dieser Test beruht auf dem Essen von aromatisierten Traubenzuckerstückchen, die beim Essen anhand einer, auch mit entsprechenden Sinnbildern versehenen Begriffsliste identifiziert werden müßten. Dieser Test würde sich unter anderem auch sehr gut für die Riechtestung bei Kindern eignen. Herr Kobal zeigte auch erste, vielversprechende Ergebnisse an 25 gesunden Probanden zur Identifizierbarkeit der Items. Die aromatisierten "Drops" würden von einer Firma in nahezu beliebiger Größe und aus einer Auswahl von etwa 300 Aromen hergestellt werden. Herr Hüttenbrink gab zu bedenken, daß die "Drops" immer süß schmecken würden. Herr Dr. Hummel teilte mit, daß ein ähnliches Verfahren, die sog. "Schmeckpulver" bereits seit etwa einem Jahr in Dresden getestet würden und sehr vielversprechende Ergebnisse erbringen würde. Allerdings hätten die "Drops" natürlich den Vorteil, daß sie in entsprechenden Behältnissen einfach per Post an die Patienten verschickt werden könnten. Herr PD Dr. Delank warf ein, daß sich die geplante Testung an Kindern wegen des geringen Bekanntheitsgrades von z.B. "Maracuja" wahrscheinlich ausgesprochen schwierig gestalten würde. Herr Kobal betonte, daß der Vorteil des Drops-Tests auch darin besteht, daß Patienten ihn selbst anwenden können.

Herr Hummel berichtete von einer Veröffentlichung der Autoren Hummel, Klimek, Welge-Lüssen, Wolfensberger, Gudziol, Renner und Kobal mit dem Titel "Standards für die Ableitung chemosensorisch evozierter Potentiale zur klinischen Diagnostik von Riechstörungen", die bei der Zeitschrift "HNO" eingereicht werden soll. In dieser Arbeit werden Empfehlungen zur Auslösung, Ableitung und Auswertung olfaktorisch evozierter Potentiale ausgesprochen.


Tagesordnungspunkt 2 - Bericht zum Thema "Epidemiologie von Riechstörungen"

Herr Wolf, Herr Klimek und Herr Hummel berichteten über Ihre Bemühungen zur Entwicklung eines computerisierten Fragebogens mit dem die Anamnese von Patienten mit Riech- und Schmeckstörungen sowie der Befund bei Testung mit den Riechstiften erhoben werden sollte. Dieser computerisierte Fragebogen lehnt sich an den unter Federführung von Herrn Klimek entworfenen Fragebogen an. Er wurde jetzt in wesentlichen Teilen bereits von Herrn Wolf und seinen Mitarbeitern unter File Maker Pro entworfen, wird in den nächsten Wochen in Erlangen, Mainz und Dresden gewissermaßen einer beta-Testung unterzogen und nach erneuter Diskussion in der AG Olfaktologie / Gustologie vorgestellt. Ausschnitte dieses Fragebogens waren bereits beim Stand der AG Olfaktologie / Gustologie beim diesjährigen Treffen der Deutschen HNO Gesellschaft zu sehen.

Tagesordnungspunkt 3 - Bericht zum Thema "Therapie von Riechstörungen"

Herr Dr. Moll berichtete vom Treffen der Arbeitsgruppe "Therapie von Riechstörungen" im März diesen Jahres. Er legte dar, daß sich diese Arbeitsgruppe zunächst auf die Therapie der postviralen Riechstörung konzentrieren möchte. Die Untersuchungen sollen multizentrisch, randomisiert, placebo-kontrolliert und doppelt-blind durchgeführt werden. Als mögliche Medikamente kämen Aciclovir sowie die alpha-Liponsäure in Frage. Als Einschlußkriterien sei folgendes festgelegt worden: (a) Hyposmie, Anosmie oder Parosmie nach viralem Infekt, (b) Bestehen der Erkrankung seit wenigstens 3 Wochen sowie maximal 5 Jahren. Ausschlußkriterien seien folgende: (a) vorbestehende Riechstörung vor dem Infekt, (b) Frontobasischirurgie sowie anamnestisch frontobasales Trauma, (c) Unverträglichkeit der Medikation, (d) endonasale Erkankungen. Der Beobachtungszeitraum sollte wenigstens 9 Monate betragen.

Die in der Gruppe anfallenden Arbeiten wurden folgendermaßen verteilt: Erstellung des Anamnesefragebogens - Wolf, Klimek, Moll, Hummel; Erstellung eines Fragebogens hinsichtlich der Änderung der Lebensqualität - Dr. Temmel; Erstellung eines "Riechtagebuches" - Kobal; Informationen zur Herstellung der Medikation / Verblindung - Dr. Welge-Lüßen; Kontakt von Pharmafirmen - Kobal; Information zur alpha-Liponsäure - Hummel; Informationen zu Virustatika - Kobal, Moll; Entwurf eines Antrages an die lokalen Ethik-Kommissionen - Klimek.

In der darauffolgenden Diskussion gab Herr Wolfensberger zu bedenken, daß eine Fallzahlschätzung vor Beginn einer Untersuchung unbedingt notwendig sei. Herr Dr. Damm, Herr Wolf und Herr Wolfensberger gaben zu bedenken, daß eine Therapie mit einem Virustatikum über einen längeren Zeitraum ethisch nicht unbedenklich sei. Herr Wolf machte den Vorschlag, nicht nur eine Studie bei längerfristig bestehenden Riechstörungen zu planen, sondern auch Studien bei erst kürzlich aufgetretenen Riechstörungen vorzusehen. Hier käme dann als Medikament auch die Gabe von Cortison in Frage, oder auch die Gabe von Virustatika. Herr Wolf gab auch zu bedenken, daß diese Untersuchungen aus rechtlichen Gründen nicht "Studie", sondern "Protokoll" genannt werden sollten. Herr Kobal machte den Vorschlag, diese Problematik noch einmal im kleinen Kreis zu beraten und dann einen entsprechend neu ausgearbeiteten Vorschlag wieder der Arbeitsgemeinschaft bzw. Interessierten vorzustellen. Auf Herrn Hüttenbrinks Frage, wer an der Mitarbeit an einer solchen Studie interessiert sei, meldeten sich zusätzlich zu den Kliniken in Dresden (Hauswald, Hummel), Erlangen (Wolf, Kobal), Mainz (Klimek, Moll), Basel (Wolfensberger, Welge-Lüßen) und Wien (Temmel) auch noch Dessau (Seeber), Köln (Damm) Jena (Gudziol), Leipzig, Göttingen, Berlin (Schilling) und Münster (Delank).


Tagesordnungspunkt 4 - Vermischtes

Einziger Punkt war die Abstimmung über das Logo der AG Olfaktologie und Gustologie. Aus der bereits beim vorangegangenen Treffen in Basel getroffenen Vorauswahl von 4 Logos wurde der Vorschlag aus Erlangen von Saskia Kobal als bester ausgewählt.
Es wird als Logo der AG in Zukunft verwendet werden:


Veranstaltungen (mit Beiträgen zum Thema Riechen und Schmecken)

  • 30.11.-3.12.: 2nd International Conference on Olfactory Bioresponses in Erlangen
    (Kongressekretariat Erlangen, Tel 09131-852-6897)
  • 3.12.-4.12.: Tagung der AG Olfaktologie und Gustologie in Erlangen
    (Prof. Kobal, PD Dr. Wolf; Kongressekretariat Erlangen, Tel 09131-852-6897)


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