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Sitzungsprotokoll vom 23.5.98 in Hannover, anläßlich der Tagung der Deutschen GesellschaftTagungsort: Hannover Datum: 22.5.98, Beginn: 17.45 Uhr, Ende: 19.00 Uhr Teilnehmerzahl: 41 Vorsitzender: Prof. Dr. med. K.-B. Hüttenbrink (huettenb@rcs.urz.tu-dresden.de) Protokoll: Dr. med. habil. Thomas Hummel (thummel@rcs.urz.tu-dresden.de)
Tagesordnungspunkt 1 Bericht zum Thema "Epidemiologie von Riechstörungen" Erste Ergebnisse des Arbeitskreises zum Thema Epidemiologie, die unter Federführung von Herrn Kimek zusammengetragen und ausgewertet wurden, sind im Anhang beigelegt. Es ist geplant, diese Auswertung in einer Zusammenarbeit zwischen Mainz (Klimek) und Dresden (Hummel) im Detail fortzuführen, und die Ergebnisse in einer gemeinsamen Publikation aller beteiligten Zentren zusammenzufassen. Es wurde festgestellt, daß jetzt ein günstiger Zeitpunkt sei, eine Zäsur zu setzen und den Fragebogen zu überarbeiten. Diese Überarbeitung soll in Zusammenarbeit zwischen Mainz (Klimek) und Dresden (Hummel) vorbereitet werden; ein entsprechend ausgearbeiteter Vorschlag soll baldmöglichst an die Mitglieder des Arbeitskreises "Epidemiologie" verschickt werden. Eine endgültige Version des Fragebogens soll spätestens bis zur nächsten Sitzung der AG ausgearbeiet sein. Tagesordnungspunkt 2 Bericht zum Thema "Therapie von Riechstörungen" Herr Klimek berichtete, eine Literaturliste zum Thema "Therapie von Riechstörungen", im wesentlichen basierend auf einer umfangreichen Medline-Suche, sei mittlerweile erstellt. Darüberhinaus berichtete Herr Kobal, eine weitere, umfangreiche Datenbank mit mehr als 4000 Literaturstellen, basierend auf einer im wesentlichen handschriftlich geführten Kartei von Herrn Prof. Fikentscher, sei mittlerweile nahezu komplett am Rechner eingegeben. Es ist geplant, die beiden Datenbanken zusammenzuführen. Herr Kobal sprach an, daß diese Datenbank dann über eine Page des Instituts für Pharmakologie in Erlangen im Internet zur Verfügung gestellt werden soll. Diese Entwicklung soll bis zur nächsten Tagung der AG in den Grundzügen abgeschlossen sein. Für die Zukunft ist geplant, basierend auf dieser Datenbank, die existierende Literatur anhand bestimmter Kriterien zu bewerten und aufgrund dieser Informationen Studienprotokolle für therapeutische Studien zu entwickeln. Tagesordnungspunkt 3 Bericht zum Thema "Standardisierung von Tests zur Erfassung von Riechstörungen" Beim letzten Treffen der AG wurde eine Untersuchung geplant, mit der festgestellt werden sollte, welche Werte von anosmischen Patienten bei Testung mit den Riechstiften erreicht werden. Dabei wurde vereinbart, nur solche Patienten einzubeziehen, bei denen die Anosmie anhand von olfaktorisch evozierten Potentialen als einem unabhängigen Kriterium festgelegt worden war. An dieser Untersuchung beteiligten sich die Kliniken/Institute in Jena (PD Dr. med. Gudziol), Basel (Prof. Dr. med. Wolfensberger, Dr. Welge-Lüssen), Mainz (PD Dr. med. Klimek), Erlangen (Prof. Dr. med. Kobal) und Dresden (Prof. Dr. med. Hüttenbrink, Dr. med. habil. Hummel). Insgesamt lagen Daten von 34 Patienten vor; in die letztgültige Auswertung für den SDI-Score (Summe der Ergebnisse aus der Schwellentestung [bei Anosmikern gleich Null], sowie der Testung der Diskriminations- und Identifikationsleistung) gingen Daten von 23 Patienten ein. Es zeigte sich, daß keiner dieser Patienten einen Wert über 15 erreichte. Dieser Wert deckt sich auch mit Ergebnissen einer vorangegangenen Untersuchung aus Basel an 15 Anosmikern (Wolfensberger, Welge-Lüssen), bei der ebenfalls keiner der getesteten Anosmiker einen Wert größer als 15 erreichte. Interessanterweise stimmt dieser Wert von 15 bei maximal 32 möglichen Punkten (zufällig erreichbares Ergebnis bei 9) annähernd mit dem Wert von 18 überein, der von Anosmikern bei dem UPSIT Test (University of Pennsylvania Smell Identification Test mit insgesamt 40 Items; zufällig erreichbares Ergebnis bei 10) erreicht wird. Daraufhin wurde von den Teilnehmern der Sitzung der AG einstimmig, ohne Enthaltungen, beschloßen, den SDI-Wert von 15 als Kriterium für das Bestehen einer Riechstörung, die einer Anosmie entspricht, festzulegen. Herr Hummel stellte darüberhinaus noch neue Normwerte für die Riechstifte vor, die auf Daten aus Erlangen, Philadelphia, Basel, Dresden, Mainz, Dessau, Mailand und Homburg beruhen. In dieser Untersuchung wurde eine Hyposmie anhand von SDI-Werten definiert, die kleiner als der mittlere Normwert für Normosmiker minus 2 Standardabweichungen waren. Dieser Wert liegt bei birhinaler Testung für Patienten unterhalb von 40 Jahren bei 24, bei Patienten = 40 Jahren bei 18. Die AG kam überein, diese Werte als vorläufige Normwerte in der Riechtestung zu verwenden, obgleich der Abstand zwischen dem Wert für Anosmie und Hyposmie relativ gering ist. Diese SDI-Werte werden sich allerdings dann ändern, wenn ein neues, auf Phenylethylalkohol (ein rosenähnlicher Geruch) basierendes Schwellenmeßverfahren eingeführt wird. Herr Kobal berichtete, daß dieses neue Meßverfahren bereits an 160 Patienten getestet worden sei und im Mittel höhere Werte erbrächte als die traditionell mit Butanol gemessenen Schwellen. Es darf erwartet werden, daß die entsprechende Erhöhung des SDI-Wertes v.a. bei älteren Patienten zu einer besseren Unterscheidung zwischen Hyposmie und Normosmie führen wird. Herr Kobal stellte darüberhinaus ein neues Verfahren vor, das die Bestimmung einer Riechschwelle für 2 Duftstoffe (Phenylethylalkohol, Citronellal) in einem gegenüber dem traditionellen Staircase-Verfahren deutlich vereinfachten Modus, geringerem Zeitaufwand (etwa 10 min) und einer Reliabilität von .60 erlaubt (sog. RANDOM-Test). Es ist geplant, in Zusammenarbeit mit Mainz, Basel und Dresden diesen Test an Patienten zu validieren. Entsprechende Ergebnisse sollen bis Dezember dieses Jahres vorliegen. Herr Hüttenbrink und Herr Kobal schlugen vor, bei der Erstellung von Gutachten auf das gegenwärtig validierte, reliablere Verfahren zurückzugreifen, bei dem Schwellen mit dem Staircase-Verfahren ermittelt werden. Im Alltag scheine jedoch der RANDOM-Test aufgrund der einfacheren Anwendung praktikabler zu sein. Die Testkits zur Durchführung des RANDOM-Tests sollen erst nach Vorliegen der entsprechenden Untersuchungsergebnisse an Patienten allgemein verfügbar gemacht werden. Herr Kobal stellte außerdem eine neue Form des Screenings für Schmeckstörungen vor: die "taste strips". Hierbei handelte sich um imprägnierte "perfumer strips" (wie sie z.B. auch in Drogerien zur Testung von Parfümen verwendet werden), die auf die befeuchtete Zunge gelegt werden. Daraufhin wird der eingelagerte Schmeckstoff aus den Streifen freigesetzt. Mit diesem Verfahren ist auch die seitengetrennte Schmecktestung möglich - was durch sofort durchgeführte Selbsttests nahezu aller Anwesenden bestätigt wurde. Herr Kobal stellte fest, dieser überschwellige Test sei als Screening-Test gedacht. Die Schwellentestung mithilfe der Schmecktabletten ("Tasties") sollte dadurch zunächst nicht ersetzt werden. Tagesordnungspunkt 4 Aus- und Weiterbildung bei Riech- und Schmeckstörungen / Fragebogenaktion Frau Hauswald regte an, eine Fragebogenaktion an allen Kliniken Deutschlands sowie bei niedergelassenen HNO-Ärzten in ausgewählten Regionen durchzuführen. Mit dieser Aktion sollte erfaßt werden, welche Riech- und Schmecktests in den jeweiligen Kliniken angewendet würden. Außerdem sollte in dem Fragebogen erfaßt werden, wie genau die Weiterbildung bei Riech- und Schmeckstörungen an den entsprechenden Enrichtungen gehandhabt wird. Gewissermaßen als Nebenziel sollte diese Aktion erreichen, das Augenmerk auf die Aktivitäten der AG zu lenken. Herr Dr. med. Seeber (Dessau) bemerkte, eine entsprechende Untersuchung bereits 1994 durchgeführt zu haben. Die Ergebnisse könnten der AG zur Verfügung gestellt werden. Darüberhinaus wurde der von Frau Hauswald vorgelegte Entwurf des Fragebogens lebhaft diskutiert. Es wurde vereinbart, die Versandaktion zunächst zurückzustellen, bis eine verbesserte Version des Fragebogens vorläge. Tagesordnungspunkt 5 Vermischtes Es wurde kurz diskutiert, inwieweit Riech- und Schmecktests durch die Kassen honoriert werden sollten; Herr Hüttenbrink befürchtete, die Lage für eine Änderung der gegenwärtigen Vergütungsmechanismen sei gegenwärtig ungünstig. Herr Hüttenbrink kündigte an, Neuwahlen des Vorstandes der AG Olfaktologie und Gustologie stünden bei der nächsten Tagung der AG in Erlangen an. Ein Kassenwart solle allerdings nicht gewählt werden (zumal auch keine Kasse existiere). Es wurde angeregt, die Diskussion über die Entscheidungsbäume bei der Diagnostik und Therapie von Riechstörungen beim nächsten Treffen in Erlangen aufzunehmen. Die Anregung, eine Untersuchung zur Warnehmung von verschiedenen Weinen in Abhängigkeit von den verwendeten Gläsern zu machen, stieß auf geringe Resonanz. Herr Hüttenbrink berichtete darüberhinaus von Falldarstellungen, nach denen der Protonen-pumpen-hemmer Omeprazol sowie das Antibiotikum Klacid® (Clarithromycin) zu Schmeck- bzw. Riechstörungen führen sollten. Allerdings sei die Kausalität der Riechstörungen beim Klacid® mit Vorsicht zu interpretieren. Veranstaltungen (mit Beiträgen zum Thema Riechen und Schmecken) 4.9.-6.9. 1998 Mitteldeutscher HNO-Kongreß in Dresden (Kongressekretariat Dresden, Tel. 0351-458-4420) 8.9.-12.9.1998 XIII Congress of the European Chemoreception Organization in Siena, Italy (Servizio Congressi, Tel. 0039-577-298132) 30.11.1998 German Olfaction Meeting in Erlangen (Kongressekretariat Erlangen, Tel. 09131-856897) 1.12.-4.12.1998 2nd International Conference on Olfactory Bioresponses in Erlangen (Kongressekretariat Erlangen, Tel. 09131-856897) 4.12.-5.12.1998 Tagung der AG Olfaktologie und Gustologie in Erlangen (Prof. Kobal, PD Dr. Wolf; Kongressekretariat Erlangen, Tel. 09131-856897) Zurück Ergebnisse zum Thema "Epidemiologie"
Rauchen (übermäßiger Konsum) 28% Subj. Bewertung des Zusammenhangs 5%
Ergebnisse zum Thema "Standardisierung von Riechprüfungen"
maximaler SDI-Score rechtsseitig (n=23): 12 linksseitig (n=23): 15
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