Tagung Olfaktologie und Gustologie: Abstracts

Erlangen, 3. - 4. Dezember 1999






2. Der gustatorische Riechtest in der Technik nach Güttich: Eine Überprüfung der klinischen Wertigkeit



Hummel T, Rosenheim K, Knecht M, Heilmann S, Mürbe D, Hüttenbrink K-B
HNO Klinik, Universität Dresden


Die retronasale Wahrnehmung von Gerüchen wird bei der klinischen Prüfung der Riechfunktion mit untersucht (Güttich, 1961). Verschiedene Substanzen werden in die Mundhöhle appliziert, und der Patient wird gebeten, das Aroma zu beschreiben. Diese Form der Riechprüfung kommt vor allem bei gutachterlichen Fragestellungen zum Einsatz. Eine Überlegung dabei ist, daß anosmische Patienten nicht in der Lage sein sollten, oral applizierte Aromastoffe mit anderen Begriffen als "süß", "sauer", "salzig" und "bitter" zu beschreiben. Allerdings liegen bis heute keine Untersuchungen zu Sensitivität und Spezifität dieser Methodik hinsichtlich der Unterscheidung zwischen Anosmie und Hyposmie vor. Die vorliegende Untersuchung wurde an 50 Anosmikern, 42 Hyposmikern und 13 Norm-osmikern initiert. Die Diagnose "Anosmie" bzw. "Hyposmie" wurde aufgrund der Aus-sagen der Patienten gestellt sowie mit psychophysischen und elektrophysiologischen Verfahren bestätigt. Es ergaben sich folgende hauptsächliche Ergebnisse: (1) Die spontane Beschreibung von oral verabreichten Aromastoffen gelang Anosmikern schlechter als Hyposmikern und Normosmikern; allerdings war die korrekte Identifizierung der Aromaproben keineswegs allen Normosmikern möglich. (2) In der Unterscheidung zwischen Hyposmikern und Anosmikern waren Sensitivität (86%) und Spezifität (62%) der retronasalen Testung gering, was eine routinemäßige klinische Anwendung limitiert. Die retronasale Riechprobe mit flüssigen, pulverförmigen oder auch festen Aromaproben stellt eine sehr einfache Möglichkeit dar, das Riechvermögen grob orientierend zu überprüfen. Die Methodik erlaubt eine Unterscheidung zwischen Anosmie und Hyposmie allerdings nur in sehr einge-schränk-tem Maße.

Zum Programm | Zur Übersicht