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RETRAINING-THERAPIE BEI PATIENTEN MIT HYPERAKUSIS

Gerhard Hesse

Hyperakusis oder Geräuschüberempfindlichkeit ist ein Krankheitsbild, das für den Patienten eine erhebliche Beeinträchtigung darstellt und häufig in die soziale Isolation führt. Als Ursache wird eine zentrale Störung der Hörverarbeitung angenommen, pathologische DPOAE-Befunde lassen aber auch periphere Anteile vermuten. Mit der von Jastreboff und Hazell vorgestellten und für die Behandlung des chronischen Tinnitus entwickelten Retraining-Therapie läßt sich bei der Hyperakusis erstmalig ein schlüssiges, erfolgversprechendes Therapiekonzept einsetzen. Die Behandlung besteht aus Diagnostik, direktivem Counseling, Habituationstraining, Anpassung von Rausch- geräten und psychischer Stabilisierung. Vorgestellt werden die Befunde und Ergebnisse von 300 Patienten, die von Oktober 1996 bis September 1997 mit der Retraining-Therapie behandelt wurden und bei denen Nachbeobachtungsdaten vorliegen. Zur Beurteilung wird ein spezieller Fragebogen zur Hyperakusis verwandt, bei dem die Geräuschempfindlichkeit über visuelle Analogskalen (0 = "gar nicht" bis 10 = "sehr stark") erfaßt wird. Bestimmt wurden weiter die subjektiven Unbehaglichkeitsschwellen und die Lautheitsskalierung mit dem "Würzburger Hörfeld". Vor Behandlung lagen die Mittelwerte, der Analogskalen aller Patienten bei 5,8, nach stationärer Initialbehandlung bereits bei 4,4 und nach 6 Monaten Therapie bei 3,2. Während zu Beginn der Therapie 85,6 % stark bis sehr stark von der Hyperakusis betroffen sind, sind dies nach 4 - 6 Wochen nur noch 54,4 %, nach einem halben Jahr nur 23,2 %. Die Therapie bringt für die Patienten eine erhebliche Erleichterung und Verbesserung der sozialen Kommunikationsfähigkeit.

Dr. med. Gerhard Hesse, Gro8e Allee 3, D-34454 Bad Arolsen


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